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Kleines Taschengeld oder lukrativer Nebenjob? Was verdient ein Handballschiedsrichter?

HandballschiedsrichterDie Saison ist im vollem Gange und das nicht nur für die aktiven Spieler, sondern auch für die meist ehrenamtlichen Handballschiedsrichter.

Aus diesem Grund möchte ich heute eine sehr interessante Frage beantworten: Was verdient ein Handballschiedsrichter?

Handelt es sich nur um ein kleines Taschengeld oder kann man davon leben und was verdient im Vergleich dazu ein Fußballschiedsrichter?

Bevor wir dazu kommen, möchte ich Dir noch drei Schiedsrichtertypen vorstellen.

Die drei Schiedsrichter-Typen

Handballschiedsrichter kann man aus Sicht der Motivation in drei Gruppen einteilen.

1. Der Freiwillige

„Der Freiwillige“ hat früher mal selber Handball gespielt, kann aber leider jetzt nicht mehr aktiv am Spiel teilnehmen.

Da der Freiwillige sein Hobby und sein Freundeskreis nicht aufgeben möchte, pfeift er am Wochenende freiwillig ein paar Spiele.

Die gezahlte Aufwandsentschädigung nimmt er gerne mit, aber sie ist ihm nicht wichtig.

2. Der Gezwungene

„Der Gezwungene“ spielt noch aktiv Handball. Er hat gar keine Lust seine Zeit mit dem pfeifen von Spielen zu „verschwenden“. Auch auf die Aufwandsentschädigung ist er nicht angewiesen.

Aber warum macht er das, wenn er überhaupt keine Lust hat.

Die Antwort ist kurz und einleuchtend. Jeder Verein muss pro Mannschaft mindestens ein Schiedsrichterpaar stellen, die Auswärts Spiele übernehmen und pfeifen.

Da nicht jeder Verein freiwillige Schiedsrichter hat, heißt es oft: „Wer spielen will, muss auch pfeifen!“

3. Der Student

„Der Student“ ist stellvertretend für alle die kein oder nicht so viel Geld verdienen. Er spielt meist selbst Handball oder hat gespielt.

Er versucht am Wochenende möglichst viele Spiele zu pfeifen, um mit der Aufwandsentschädigung sein Budget aufzustocken.

Aber wie viel ist den nun diese sogenannte Aufwandsentschädigung?

Jetzt geht es los – ich erzähle es Dir!

Was verdient ein Handballschiedsrichter?

Handballschiedsrichter bekommen kein Lohn oder Gehalt, sondern eine Aufwandsentschädigung oder auch Spielleitungsentschädigung genannt.

Die Höhe ist abhängig von der Alters- und Spielklasse und wird vom zuständigen Verband festgelegt.

So bekommt man für ein Spiel im Jugendbereich der Kreisliga am wenigsten und in der Handball Bundesliga der Männer am meisten.

Die Folgenden Aufwandsentschädigungen sind vom Handballverband Brandenburg vorgesehen:

  • Kreisliga E-Jugend 10 €
  • Kreisliga D-Jugend 15 €
  • Kreisliga C-Jugend 20 €
  • Kreisliga A-Jugend 25 €
  • Kreisliga Männer & Frauen 25 €
  • Kreisliga Männer Pokal 30 €
  • Verbandsliga Männer & Brandenburgliga Frauen 30 €
  • Brandenburgliga Männer 35 €
  • Oberliga Frauen 45 €
  • Oberliga Männer 55 €

Die Folgenden Aufwandsentschädigungen sind vom Deutschen Handballverband vorgesehen:

  • 3. Liga Männer 120 €
  • 3. Liga Frauen 75 €
  • 2. Liga Männer 300 €
  • 2. Liga Frauen 80 €
  • 1. Liga Männer 500 €
  • 1. Liga Frauen 300 €

Zuschlag bei Frauenspiele von Montag bis Freitag 110 €

Deutsche Jugendbundesliga 50 €

Pokal

  • 1. und 2. Runde 125 € Männer und 60 € Frauen
  • 3. bis 5. Runde 300 € Männer und 250 € Frauen
  • 6. und 7. Runde 500 € Männer und 250 € Frauen

Zwischenfazit

Um so höher man pfeift, um so höher ist die gezahlte Aufwandsentschädigung. Dabei gibt es für Pokalspiele immer mehr.

Zwischen Männer und Frauenspiele gibt es teilweise erhebliche Unterschiede. So ist der Unterschied in der 1. Handballbundesliga zwischen Männer- und Frauenspiele mit 66 % (200 €) noch vertretbar.

Hingegen ist der Unterschied in der 2. Liga, wo ein Schiedsrichter 375 % mehr für ein Männerspiel bekommt extrem hoch (80 € Frauenspiel, 300 € Männerspiel).

Kann man vom Pfeifen leben?

Um dir diese Frage zu beantworten, zeige ich Dir zwei kleine Rechenbeispiele:

1. Beispiel – Der Profischiedsrichter

Der Profischiedsrichter pfeift in der ersten und zweiten Liga und teilweise auch Pokalspiele.

Pro Monat könnte er zwischen 4 und 8 Spiele absolvieren.

Für mein Beispiel gehe ich von fünf Spiele aus:

  • Ein Spiel 1. Handballbundesliga der Männer = 500 €
  • Ein Spiel 2. Handballbundesliga der Männer = 300 €
  • Ein Spiel 1. Handballbundesliga der Frauen = 300 €
  • Ein Spiel 2. Handballbundesliga der Frauen = 80 €
  • Ein Spiel in der 6. Runde im Frauenpokal = 250 €

Macht in der Summe 1430 € Brutto pro Monat. Abzüglich Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen bleiben ca. 1000 € Netto übrig.

Hier von könnte man leben, aber besonders viel ist das nicht.

Außerdem muss man bedenken das es im Sommer eine 1-2 Monatige Pause gibt. Dazu ist man lange in ganz Deutschland unterwegs.

Und was ist eigentlich, wenn man verletzungsbedingt nicht pfeifen kann?

2. Beispiel – Der Amateurschiedsrichter

Der Amateurschiedsrichter pfeift in der Kreis- und Landesliga die Männer, die Frauen und den Nachwuchs.

Er kann mehr Spiele pfeifen als der Profischiedsrichter, da oft zwei bis drei Spiele am Stück gepfiffen werden.

Für mein Beispiel gehe ich von je zwei Spiele am Samstag und Sonntag aus. Für ein Spiel gibt es 25 €.

Das macht 100 € am Wochenende und ca. 400 € pro Monat.

Für Ehrenamtliche „Pfeifen“ gibt es vom Gesetzgeber einen Freibetrag von ca. 2400 €, sodass auf die Aufwandsentschädigung fast keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen.

Was verdient im Vergleich dazu ein Fußballschiedsrichter?

Die meisten Handballschiedsrichter pfeifen Nebenberuflich. Beim Fußball sieht das ganz anders aus. Hier gibt es deutlich mehr Spielleitungsentschädigung und zusätzlich auch ein Gehalt (Fixum).

So gibt es für Spiele der 1. Bundesliga 3800 €, für ein Spiel in der 2. Bundesliga noch 2000 €.

Dazu bekommt ein Fußballschiedsrichter ein Fixum. In der 2. Bundesliga beträgt diese Fixum jährlich 35.000 € und in der 1. Bundesliga sogar 55.000 €.

Was macht das jährlich?

Ein guter Handballschiedsrichter kann im Jahr auf 15.000 Euro bis maximal 20.000 Euro Brutto kommen.

Wie viel ein Fußballschiedsrichter verdient kann siehst du hier:

Wenn er drei Spiele pro Monat in der 1. Bundesliga pfeift, dann sind das 11.400 Euro. Mal zehn Monate (Sommerpause) macht das 114.000 Euro.

Plus das Fixum von 55.000 Euro sind wir bei einem jährlichen Brutto Einkommen von 169.000 Euro.

Und so können die Kollegen aus dem Fußball, mit dem zehnfachen Verdienst eines Handballschiedsrichters, sehr gut vom Pfeifen Leben.

Fazit

Handballschiedsrichter verdienen im Gegensatz zu Fußballschiedsrichtern nur Pinuts. Trotzdem kann das pfeifen von Handballspielen ein guter Nebenverdienst sein. Im Amateur- und im Profibereich!

Davon Leben könnte man, aber ein besseren Mittelklassewagen kann man dafür nicht fahren.

Wenn Du jetzt heiß aufs Pfeifen bist, dann findest Du hier 10 Tipps, wie Du ein besserer Schiedsrichter wirst.

PS: Eine Frage hab ich noch!

Habt Ihr in eurem Verein auch das Problem, dass Ihr nur wenige freiwillige Schiedsrichter habt? Wann ja, wie löst Ihr das Problem? Schreibt es mir in die Kommentare.


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Kommentare


MK 1. November 2016 um 12:08

Warum lässt sich der Autor beim Handball an allen Klassen aus, schreibt Spesensätze nieder, die nicht mehr den Tatsachen entsprechen oder schlichtweg falsch sind, um dann den Vergleich nur auf die Spitzen-SR im Fußball zu beziehen? Und selbst da fehlen die Angaben pro Spiel wie bei den Handballern. Tendenziös und schlecht recherchiert, setzen 6!

Antworten

Klemens 1. November 2016 um 20:41

Hallo MK,
Welche Spesensätze stimmen den nicht, hast du da ein Link für mich?

Die Spesensätze bis Oberliga habe ich aus dem aktuellen Ansetzungsheft vom HVB (Brandenburg) entnommen. In anderen Bundesländern kann das natürlich abweichen.

Meine Informationen der höheren Spielklassen habe ich aus der DHB Finanz- und Gebührenordnung mit der Fassung vom 07.01.2012 (siehe DHB.de). Gibt es hier eventuell eine neuere Ausgabe die ich nicht gefunden habe?

Warum ich auf die Aufwandsentschädigungen des Fußballschiedsrichter nicht weiter eingegangen bin? Ganz klar! Die meisten Leser sind Handballer und interessieren sich demnach hauptsächlich für das Thema Handball.

Danke für das Feedback!

Klemens

Antworten

Udo Fammler 1. November 2016 um 13:55

Eine kleinigkeit wurde aber noch vergessen, nämlich die Kilometerpauschale, Die ist es, eigentlich die etwas mehr Geld in die Kasse eines Schiedsrichter bringt.
Im Handballkreis Düsseldorf wären das 30 cent pro Kilometer. Das hört sich zwar nicht viel an. Aber es summiert sich aufs Wochenende gesehen. Eine durchschnittliche Fahrt zu einem Spiel 25-35 Km hin und zurück wären das 50-70 Km pro Spiel. 70 Km * 0,30 Euro = 21 plus 25 Euro für ein Kreisliga Männer spiel wären dann 46 Euro. Also schon fast das Doppelte.

Antworten

Klemens 1. November 2016 um 20:52

Hi Udo,
das Stimmt, durch die Kilometerpauschale kommt noch einiges dazu. Bei uns in Brandenburg sind es auch 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer.
In meine Beispiele habe ich sie aber nicht mit eingerechnet, weil wenn man die Kosten für Sprit, Anschaffung und Reparaturen vom Auto gegenrechnet, landet man wieder bei +/- 0 €.

Aber du hast recht! Ich hätte die Kilometerpauschale wenigstens erwähnen können 🙂

Danke für dein Kommentar!

Klemens

Antworten

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